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2020 – Das Jahr der Masken: ein Rückblick

2020 war in jeder Hinsicht ein Jahr der Extreme. Auch für das Anonymous Kollektiv. Ein Blick aufs Jahr durch unsere Maske …

2020 war kein einfaches Jahr, für niemanden. Es war ein Jahr der Gegensätze.

„Es war die beste aller Zeiten, es war die schlimmste aller Zeiten,

es war das Zeitalter der Weisheit, es war das Zeitalter der Dummheit,

es war die Epoche des Glaubens, es war die Epoche des Unglaubens,

es war die Saison des Lichts, es war die Saison der Dunkelheit,

es war der Frühling der Hoffnung, es war der Winter der Verzweiflung,

wir hatten alles vor uns, wir hatten nichts vor uns,

wir gingen alle direkt in den Himmel, wir alle machten uns in die andere Richtung auf …“

— Charles Dickens, „A Tale of Two Cities“

Schaut man durch unsere Maske auf das Jahr 2020 zurück, so ist nicht alles Virus. Es war ein arbeitsreiches Jahr. Ein Jahr mit einer OpTinfoil, die auch uns forderte. Ein Jahr, das uns allen viel abverlangte. Nicht, weil wir an Grenzen gestoßen wären, es hat uns einfach viel abverlangt, weil wir uns mit Menschen auseinandersetzen mussten, die so verschwurbelt sind, dass sie jegliche Realität aus den Augen verloren. Menschen, die einst in unserer Mitte saßen, in unseren Familien. In Eurer Mitte und Euren Familien.

Aber es war auch ein Jahr, in dem wir viel gelacht haben, ein Jahr voller neuer Bekanntschaften, voller Ideen, Kreativität, Vertrauen.

Begleitet uns auf unserem Weg durch ein Jahr voller Extreme. Los geht’s!

Januar bis März

Für jeden von uns hatte das Jahr anders begonnen. Jeder hatte seine guten Vorsätze für das Jahr 2020, bei einigen verblassten sie schon in den ersten Januarwochen, andere hielten eisern daran fest, und niemand ahnte, dass Dinge geschehen würden, die uns fester zusammenschweißen und stärker trennen würden, als wir es jemals für möglich gehalten hätten.

Jahreswechsel, die ersten Meldungen zu Corona, die üblichen Verdächtigen in Politik und Wirtschaft… das Jahr begann für Anonymous wie jedes Jahr: mit Beobachtung, Analyse …

Dann der Schock im März: verschärfte Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, Schulschließungen, Home Office. Und das, was wir schon befürchtetet hatten, trat zutage: Schwurbler.

Schwurbler gab es schon immer. Aber Corona hatte die merkwürdige Wirkung, dass sie unter den Steinen hervorkrochen, unter denen sie sich jahrelang versteckt hatten.

Den Februar und den März verbrachten wir im Prinzip damit, die einzelnen Gruppen zu beobachten, die sich formierten, zu schauen, wie sie sich mit bestehenden Gruppen vermischten und ineinander aufgingen.

Doch so richtig in Fahrt kam das Jahr für uns erst mit den ersten Maßnahmen im März … und wir dachten noch: „Na, mal schauen, welche Parteien sich da zusammenfinden“ …

April & Mai

Widerstand2020

Das Coronavirus kann eine Menge Symptome hervorbringen. Alles nicht gut. Eines der ersten nach unseren Maßstäben war der klägliche Versuch, eine Schwurbelpartei ins Leben zu rufen. Er sollte scheitern, und es sollten noch einige weitere folgen. Doch der Reihe nach.

Bodo Schiffmann, HNO-Arzt aus Sinsheim, betrat die Bühne. Zusammen mit einigen Mitstreitern sah er wohl seine Zeit des stummen „Ich bin mal gegen alles“-Gezeters für beendet, gründete „Widerstand2020 – Die Mitmach-Partei“.

Eine basisdemokratische Partei sollte es werden, eine, die nicht von oben diktiert, sondern von unten befeuert wird. Eine Partei, die sofort jegliche Maßnahmen gegen die Pandemie stoppen würde, eine, die Politik von grundauf verändern würde. So war es gedacht.

Diejenigen, die sich für die Partei interessierten, kamen aus den verschiedensten Schichten, hatten unterschiedliche Beweggründe und fühlten sich geeint in ihrer Kritik gegen die Coronamaßnahmen. Ein „Sammelbecken von Verschwörungstheoretikern, Rechten und Impfgegnern“ nannte sie das ZDF Anfang Mai.

Anfang Mai.

Das Anonymous Kollektiv hatte Widerstand2020 bereits seit April im Auge, einige Akteure bereits seit März. Extremisten jeder Couleur, die sich hinter einem Thema vereinigen, das weckt Interesse. Und je deutlicher im Verlauf des Aprils wurde, was es für Personen waren und wie sie vorgingen, um so deutlicher wurde uns bewusst, dass hier etwas Seltsames im Gange war.

Die Partei Widerstand2020 wuchs in einem Tempo, das gigantisch war. Nach ganz kurzer Zeit, in der die Website der Bewegung online war, zeigte der Mitglieds-Counter auf der Website bereits über 100.000 Mitglieder. Mehr, als jede andere der etablierten Parteien. Nur waren die nicht echt.

Anonymous Aktivisten fanden heraus, dass es möglich war, über ein Script automatisiert über Stunden und Tage Anmeldungen zur Mitgliedschaft vorzunehmen, auch mit Phantasienamen und Adressen. Die Eingaben wurden nicht geprüft, aber jedes Absenden wurde auf der Seite als Mitglied gezählt. Fake.

Damals gab Anonymous Germany ein Pastebin heraus und veröffentlichte es über Twitter. Darin stand:

Es wurde eine automatisierte Software für den Browser benutzt welche 30 Anmeldungen pro Sekunde schafft (die Software oder das Macro würden natürlich mehr schaffen, jedoch möchte man ja nicht den Webserver zum Crash bringen). Das Formular weißt keine Filter auf wie z.B. Prüfungen ob Mailadressen echt sind, Telefonnummern zu lang oder zu kurz sein könnten und es gibt keine „IP Sperre“, man kann quasi „unendlich“ viel Anmeldungen über eine einzige IP Adresse tätigen und so die Zahlen pushen.

[…]

Nicht vergessen! 30 Anmeldungen pro Minute. Sind 1800 Anmeldungen pro Stunde und 43200 Anmeldungen pro Tag. Gehen wir davon aus, die Software lief 10-12 Stunden am Tag und hat euch 16-21600 Anmeldungen geliefert. Zur Erinnerung: Laut Wayback Machine gab es pro Tag ab dem 27.04. 16-21K Anmeldungen pro Tag 😉

https://pastebin.com/0neu7CVM

Wollt Ihr es nochmal sehen, wie das abging?

Damit war klar, dass Widerstand2020 bei weitem nicht so viele Mitglieder hatte, wie überall berichtet wurde.

Problematisch ist auch, dass die Gruppierung gänzlich intransparent mit ihrer tatsächlichen Mitgliederzahl umgeht. Das lose Hacker-Kollektiv Anonymous hat die Website der Partei genauer unter die Lupe genommen, ebenso den mysteriösen Mitgliederzähler auf der Seite. Dieser zählt offenbar jedes abgeschickte Mitgliedsformular. Ob das vermeintliche Mitglied auch tatsächlich echt ist, werde demnach gar nicht überprüft. So würde sich auch die exorbitant hohe Mitgliederzahl von mehr als 100.000 Personen erklären.

https://www.rnd.de/panorama/widerstand-2020-wer-und-was-steckt-hinter-der-corona-protestpartei-OP5DBXZSRJD6JJSLLST7A6MZ4I.html

Anonymous Germany veröffentlichte zu Widerstand2020 ein Video. Das Interesse des Kollektivs an einer Partei, die irgendwie intransparent vorging, obwohl sie doch ach so basisdemokratisch sein sollte, war geweckt.

Und die Reaktionen der „Fans“ – sie sind ja keine Mitglieder – sollten uns das gesamte Jahr über begleiten. Oder besser ausgedrückt: die Anfeindungen und Beleidigungen blieben das Jahr über gleich.

Tja, egal. Da bei Anonymous niemand allein verantwortlich ist, muss sich auch niemand beleidigt fühlen. Nicht wie bei Euch Partei-Leberwürsten.

Weiter ging es: Die Websites der Partei wurden von seltsamen DDoS-Attacken und Downtimes heimgesucht. Wir glauben, nicht nur durch uns, aber egal.

WAS DARAN FALSCH IST? DIE PRÄMISSE, DU BODO!

Der Staat, unter dessen Dach wir uns alle als Gesellschaft zusammengefunden haben, hat unter anderem auch die Aufgabe, uns zu schützen. Dafür gibt es Gesetze und Verordnungen. Genau wie Ampeln im Straßenverkehr. Oder fahrt ihr auch alle bei Rot? Weil es „besser aussieht“? Ein Zeichen von Freiheit ist?

Okay… die Partei gibt es nicht mehr … atmen … atmen!

Besser.

Auch der Fanshop der Partei, wo man sich so tolle Merchandising-Artikel bestellen sollte … upsi, putti.

Tja, und dann wollte Schiffi, der Erste, neue Websites machen lassen. Mit neuem Anmeldeverfahren. Schiffmann war so überzeugt, er forderte uns heraus, auch die neue Website zu hacken.

Die Website wurde statisch, das Anmeldeverfahren analog, und – Spoileralarm – trotzdem funktionierte beides nicht.

Tja, naja, wir haben neulich mal sauber durchgezählt, so 1, 2, 3, 4 usw. – nicht wie bei Widerstand2020: 1, 15, 22000, 48172, 100000 – und was sollen wir sagen?

Nein, es wurde niemand gefasst. Es wurde nicht einmal gegen einen von uns ermittelt. Etwas, das Schiffmann und einige seiner Anhänger nicht von sich behaupten können. Widerstand leistet man, man labert nicht nur. Und weil Widerstand2020 für Desinformation stand, richtete sich unser Widerstand gegen diese Partei. Das war sogar relativ nachhaltig. Es bildeten sich Nachahmer, Fake Sites, wer nun Mitglied war und wer nicht, blieb unklar.

Also, die Website statisch, das Anmeldeverfahren analog und Anonymous als Internet-Kollektiv herausfordern? Naja, vergessen tun wir nicht und aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Hach, und es machte Spaß. Die ersten Rücktritte (Viktoria Hamm) gab es nach knapp zwei Wochen.

Keiner weiß, was vorgefallen ist, keiner weiß, wie es weiter geht …

Verwirrung stifften, das ist unser Ding. Trollen, Fake Kanäle aufbauen, Spässken, Lulz …

Und es wurde nicht besser, sondern immer nur schlimmer. Niemand wusste, ob er Mitglied ist, oder nicht, es gab unterschiedliche Angaben und am Ende der Partei blieben 33 Mitglieder übrig.

Oder so.

Auch die waren nicht koscher. Damals schon war Bodo der Identitären Bewegung arg zugetan. So wie dem Identitären Robert Prost, der sogar eines der verbliebenen 33 Mitglieder war.

oder Martin Sellner:

Nunja, es hatte nur ein paar Wochen gedauert vom Start von Widerstand2020 bis Bodo den verbrannten Parteinamen einstampfte und einen Neustart mit Wir2020 versuchte. Doch auch da lief nichts nach Plan, nichts wie es soll. Aber das könnt ihr alles in der Zeitung lesen.

Auch diese Wir2020-Partei hat sich mittlerweile irgendwie zerlegt in Wir2020, Die Basis und irgendwas mit „Neo“… Oder hat sie sich umbenannt in irgendwas mit „Neo“? Und dann gibt es noch Aufstehen2020 von dem Neffen von Ludwig…

Tja, so ist das. Da will einer Chaos säen, und erntet nur. Muss man schon können.

BTW: Bodo wollte schon damals das „Widerstandsrecht“ in Anspruch nehmen. Also eigentlich genau das, was Querdenken dann später übernahm.

Schon im April und Mai sammelte Bodo reichlich Geld ein (Mitgliedsbeiträge, Spenden), über deren Verbleib man genauso wenig erfuhr wie heute über die Spenden und Schenkungen der Querdenker. Und auch im April: Eine Firma wollte Widerstand2020 sponsorn. Bodo so: „Ich brauche einen Dienstwagen“.

Später fuhr er dann immer noch Bus.

So ging der erste Teil des Jahres vorbei. Wenn man heute darüber nachdenkt, dass Schiffmann und Widerstand2020 innerhalb von drei oder vier Wochen durch waren … Und dass parallel ja noch Maßnahmen zum Ausbau der eigenen Kommunikation liefen…

Der Hive – eigener Matrix-Server

Mittlerweile hatten wir unseren eigenen Matrix-Server gestartet, auf dem das Kollektiv und Interessierte sich noch heute tummeln. Für uns war der Hive ein großer Vorteil. Dezentral, self-hosted, abgesichert und dennoch mit anderen Matrix-Servern föderierend bietet uns chat.hive-mind.network ein Zuhause und eine Anlaufstelle. Besser als Discord, weil kein Unternehmen dahintersteckt, way better than f….. Telegram.

In wie vielen voll-verschlüsselten Räumen Anonymous Aktivisten mittlerweile aktiv sind, das wissen wir eigentlich gar nicht. Schließlich sind diese Räume unsichtbar, bis man eingeladen wird. Aber es sind einige. Und zusätzlich die öffentlichen Räume als erste Anlaufstelle … da kommt schon einiges zusammen.

Mittlerweile gibt es bei uns eine vierstellige Anzahl an Accounts. Also, wer sich für Anonymous interessiert oder mitmachen möchte, der ist willkommen. Auch für Fragen. Auch wenn ihr nicht hacken könnt.

Denn das meiste hat gar nichts mit Hacks zu tun. Wie bei Bodo.

Wer uns trollen möchte oder ein U-Boot ist, der ist auch willkommen, kommt aber auf eigene Gefahr.

Missbrauch des Labels „Anonymous“

Ende Mai erschien ein Bericht auf tagesschau.de, auf den wir reagieren mussten. Dort war richtigerweise folgendes geschrieben worden:

Für die Verbreitung von Falschinformationen über Covid-19 fielen laut Richter vor allem diese Facebook-Seiten auf: RT Deutsch, Der Wächter, Frieden Rockt, Dr. Ruediger Dahlke, Compact-Magazin, Anonymous Deutschland, Augen Auf, Freidenkerkollektiv, Medizin Heute, Anonymous Offiziell und Russische Nachrichten.

https://www.tagesschau.de/investigativ/swr/wissenschaftler-gegen-falschnachrichten-101.html

Keine der Facebook-Seiten gehört zu uns. Allerdings nutzten wir die Gelegenheit, uns von einigen Gruppierungen zu distanzieren, die unter dem Label „Anonymous“ Fake News verbreiteten und Desinformation betrieben.

Direkter Link zum Pastebin https://pastebin.com/fvicTRAu

Wichtig über Anonymous zu wissen ist: Kein PayPal (wir nutzen keine Dienste, die wir mal gehackt haben, OpPayback), kein Telegram, kein „Official“, denn das würde dem Ur-Gedanken von Anonymous widersprechen.

Es sind mittlerweile noch einige Gruppen hinzugekommen, die unter dem Label „Anonymous“ QAnon-Propaganda oder andere Lügen verbreiten. Das betrifft nicht nur Gruppen auf Telegram mit „Germany“ oder „Deutschland“, sondern auch Gruppen aus anderen Ländern der DACH-Region. Wir haben diese Gruppen im Auge, haben die Haupturheber bereits identifiziert, Querverbindungen hergestellt, und wenn wir Lust haben… nun ja. Wir vergeben nicht.

Ach, und Corona gab es im Mai immer noch, die Pandemie, deren Zahlen zwischenzeitlich wegen der Maßnahmen schon wieder so gut aussahen, dass überall Spinner aus ihren Löchern krochen, die von Lockerungen und gar von Aufhebung der Maßnahmen faselten. Homburg, Ballweg, Eckert, Sasek, ach…

Okay, reden wir besser nicht weiter davon. Wir kommen später auf die zurück.

Juni

Operation Tinfoil

Wenn das Kollektiv an etwas arbeitet, bekommt es einen Namen. Widerstand2020 war zwar bereits Operation Tinfoil, aber die Op war noch inoffiziell. Im Juni, als klar war, dass Widerstand2020 nicht das einzige Target bleiben würde, wurde Operation Tinfoil offiziell und ist seitdem eine von mehreren aktiven Operationen des deutschen Anonymous Kollektivs.

Am 12. Juni machten wir Feierabend bei Widerstand2020. Da war ja eh nichts mehr übrig. Sicher, Bodo Schiffmann hatte uns den Fehdehandschuh hingeworfen, aber Widerstand2020 hatte sich erstmal erledigt, bei Wir2020 war die Luft gleich wieder raus. Doch wenn man Anonymous herausfordert, dann hat man ein Problem: Man weiß nicht, wann sie kommen und auf welchem Weg, wie oft und wie intensiv.

Wir vergessen nicht. Schiffmann und seine Machenschaften sind Teil von Operation Tinfoil…aber oft genug machen wir bei Targets einen Deckel drauf und schauen dann ab und an nach, was darunter so köchelt.

Köchelt, köchelt … Möchtgern-Koch, vegan. Ja klar.

Das Jahr war noch nicht halb rum, da kam

Attila Hildmann

Attila Hildmann als SubOp von Tinfoil war ein Heidenspaß. Der laute Schreihals krakeelte auf Telegram rum, nervte von Anfang an rum und stand schon seit Mai unter verschärfter Beobachtung. Dann machte er den Fehler und nutzte unser Motto. Es war zwar nur ein Zitat von diesen Kastius-Anons da in Berlin, die eine minderbelichtete Minderheiten-Splittergruppe des eigentlichen Kollektivs darstellen, aber Hildmann machte das weder als Zitat kenntlich noch wies er auf die Umstände hin. Attila war sogar der Meinung, Anonymous sei auf seiner Seite.

Wer sich Anonymous nennt, das Motto des Kollektivs benutzt und dennoch schwurbelt oder Q-Shice teilt, muss mit Konsequenzen rechnen. Die einen früher, die anderen später.

Attila früher. Während wir also die Reste von Widerstand2020 wegwischten, waren andere Teams bereits damit beschäftigt, Attila zu nehmen, wie er es noch nie erlebt hatte.

Seit Anfang Juni machten die Pentester ihre Pentests bei den diversen Attila-Websites, die Social-Engineering-Teams social-engineerten in den Telegram-Kanälen, die Recherche-Teams recherchierten, kurzum: die Jäger waren auf der Jagd, die Sammler sammelten.

Wir begannen harmlos. Am 09. Juni zeigten wir nur mal kurz, dass es mit der Sicherheit bei Attis Seiten nicht ganz so gut aussah.

Anonymous Aktivisten hatten durch eine nicht gesicherte Servereinstellung Zugriff auf Dateien, unter anderem Mail, Datenbank-Management-System und Webserver. Es gab dazu sogar eine Pressemitteilung:

Zeitgleich hatten die SE-Teams erfolgreich Attilas Telegram-Gruppe „Demokratenchat“ infiltriert und Informationen gesammelt.

Informationen? Naja, wir haben den gesamten Chat-Verlauf heruntergeladen und alle damaligen Teilnehmer mit Telegram-ID und teilweise mit Klarnamen gesichert. Und das nicht nur beim Demokratenchat selbst, sondern auch bei der Admin-Gruppe zum Demokratenchat. Alle Admins waren bekannt – also nicht nur die, die wir eingeschleust hatten, sondern tatsächlich alle. Und die Recherche-Teams hatten gute Arbeit geleistet.

Von da an ging es Schlag auf Schlag. Zunächst wurden die wahren Identitäten einiger Admins exposed.

  • die einer Mitarbeiterin der Lufthansa.
  • eines AfD-Stadtrates (der ist übrigens immer noch unterwegs)
  • die von Dennis, dem Reservisten

Dennis wurde mittlerweile vor Gericht gestellt und verurteilt… xD

Ihr seht es schon an den Tweets: zu Attila lief sehr viel parallel. Während der Exposings wurden Anonymous-Schläfer-Admins aktiv.

Sie kickten und bannten über 2.000 Mitglieder des damals knapp über 10.000 Mitglieder zählenden Demokratenchat und hatten die halbe Nacht und einen halben Tag ihren Spaß. Denn als der Chat morgens geöffnet wurde (er wurde über Nacht für Postings gesperrt, damit die Lutscher Bubu machen konnten), ging das los, was wir Lulz nennen.

Ein eingeschleuster Admin nannte sich so ähnlich, wie einer der „normalen“ und postete Memes, zeitgleich kickte und bannte der andere über die Api per Bot die regulären Teilnehmer. Kicken ist rauswerfen und bannen verhindert, dass die einfach wieder beitreten können.

Und sollen wir Euch mal was sagen? Es waren drei Leute mit dem Chat beschäftigt, ein paar weitere mit Doku und Screenshot… es braucht nicht das ganze Kollektiv, denn jeder hier hat mehr Skillz im kleinen Finger als Attila Klaus Peter Hildmann jemals wird auftreiben können.

Na, wenn Attila das auf YouTube sagt… es ist ja bisher alles eingetreten, was Attila gesagt hat. Die Shaef-Truppen sind da, Trump hat alles gerettet, die Russen auch…

Nee, ey.

Nach dem Defacement und der Aktion im Demokratenchat feuerte Attila einfach erstmal alle Admins. Und wir hatten einen Running Gag bei uns:

„Moin“

7kick

Und noch ein Admin und sein Anhang: Massimo und Sara

Oft, wenn Targets glauben, sie seien schlau, gibt es eine klare Ansage per Video. Nun, auch Attila bekam ein Video. Warum? Er wollte einfach nicht begreifen, dass Anonymous nicht die Antifa ist. Hey, auch wenn man sich nicht mag: Unter Erwachsenen ist es ein Zeichen von Höflichkeit, sich mit den richtigen Namen anzureden.

Gestatten, Anonymous, angenehm, Attila Klaus Peter Hildmann. Dann schüttelt man sich die Hände, kehrt sich den Rücken zu, läuft zählend ein paar Schritte, dreht sich um…

Aber nee, der Attila musste nerven. Nannte uns Faschisten.

Also – Ansage.

Mittlerweile wurde in den Medien über unsere Aktionen berichtet, Attilas Aluhut und seine radikalen Aussagen wurden immer bekannter – und bis zum heutigen Tag haben sich tausende von Twitter- und Instagram-Usern der Operation angeschlossen und Trollen, recherchieren und berichten.

„Anonymous droht Attila Hildmann: “Wir sind das Monster unter deinem Bett”

(Redaktionsnetzwerk Deutschland)

Mitgliedern des Hacker-Kollektivs Anonymous ist es gelungen, sich Zugriff auf einen Webserver des Vegan-Kochs Attila Hildmann (39) zu verschaffen.“

(BZ)

Anonymous schlägt zu und stiftet Chaos in Chat-Gruppe von Corona-Verschwörungstheoretikern“

(Watson)

Doch dem Koch wird nicht nur juristisch eingeheizt: Auch die Anonymous-Bewegung geht gegen ihn vor – wenn auch mit ganz anderen Mitteln. Menschen um den wichtigsten deutschen Anonymous-Account machen ihm sein digitales Leben schwer. “

(T-Online)

Attila versuchte so etwas wie Gegenwehr. Er behauptete, Anonymous Aktivisten hätten gedroht, seinen Hund Akira zu vergiften.

Anonymous macht eines nicht: zur Gewalt gegen Personen, Tiere oder Gegenständen aufrufen. Wenn Ihr sowas seht, rennt und wisst, dass es nicht Anonymous ist.

Worauf er sich berief, das war ein Post in einem öffentlich für jedermann mit Matrix-Account auf irgendeinem der vielen Matrix-Server zugänglichen Raum auf unserem Server. Darin ging es um den Hund Akira. Der Post wurde gelöscht von den Moderatoren. Den wird er wohl selbst gemacht haben. Wir jedenfalls wissen nicht, wer ihn gemacht hat. Wir kennen uns untereinander nicht. Und was in öffentlichen Räumen gepostet wird, ist nicht zwingend offizielle Linie von Anonymous.

Wir haben das dann nochmals klargestellt. Auch, dass wir nicht die Scheiben an seinem Laden mit Kot beschmiert und irgendwelche Dinge kaputt gemacht hätten. Un-fug.

Aber gut, dass wir darüber reden konnten.

In den weiteren Wochen kontaktierten Aktivisten die Hersteller und Lieferanten seiner Produkte, darunter Fa. Voelkel, Vitam, Innodrinx, Kissatea, und zwar direkt als Anonymous mit einer Bitte um Stellungnahme zur Geschäftsbeziehung. Viele von diesen Unternehmen kündigten daraufhin schnell ihre Geschäftsbeziehung mit Hildmann auf, andere brauchten etwas länger. Durch die plötzliche Öffentlichkeit aufgeschreckt, nahmen viele Händler und Ketten Hildmann-Produkte aus dem Sortiment. Weitere Aktivisten durchleuchteten und kontaktierten andere Geschäftsbeziehungen wie die mit seiner kontoführenden Bank (die Commerzbank kündigte ihm Konto und Kreditkarten später). Doch das waren wir nicht alles allein. Die Communites auf Twitter und Facebook haben ordentlich geholfen.

Irgendwo fliegt noch ein Pad mit den Adressen und Vorlagen herum, die damals genutzt werden konnten… ach, finden wir bestimmt noch.

Was noch? Ach, klar wir „trackten“ Attilas Porsche…

Hatten wir erwähnt, dass wir Attilas Haus zum Verkauf auf einer Immobilienplattform angeboten hatten? Hatten wir. Ist leider nicht mehr online… xD Aber er hatte sich darüber beschwert, dass Interessenten sich bei ihm meldeten.

Ja, das mit Antifa und linken Terroristen haben wir nicht weggekriegt. Deswegen heißt er jetzt auch Avocadolf, Hirse Hitler, Gemüse Göbbels…

Sieht gut aus ^^? War aber nicht echt. Attila hatte sich mittlerweile einen Leibwächter zugelegt, schlief mit Baseball-Schläger … heulte im Bett, wie später im November von eben jenem Leibwächter zu hören war:

Attila drehte natürlich weiter am Rad. Er drehte vollständig ab. War nicht zu erwarten, dass wir den ruhig stellen können. Das können wohl nur Medikamente, die für DSM-5 Cluster B Persönlichkeitsstörungen vorgesehen sind.

Als ein seltsames Team seinen Porsche nach einer Wanze durchsuchte, war es Zeit, die Sache mit dem Tracking aufzulösen.

Wir debunkten die Tracking-Story.

Attila Hildmann hatte ein Photo gepostet, dass seinen Porsche vor den Mülltonnen im Hof seiner Bonvista-Partner zeigt – er selbst hatte angekündigt, sein Lager zu besuchen. Am selben Abend postete er ein Photo von sich, das ihn in seinem Hotelzimmer zeigt. Das passende Hotel war schnell gefunden. Das waren zwei bekannte Standorte.

Jetzt brauchte es noch eine Idee, ein paar Leute, Google Maps und Google Earth, eine schicke Software und ein bisschen Geschick für ein „Drohnenbild“. 

Bilder aus seinen öffentlichen Videos und Posts zeigten oft genug sein Haus mit Garten und Terrasse. Es dauerte 2 Tage, das richtige Haus in Wandlitz zu finden, denn wir hatten nur Postleitzahl und Ort aus dem Handelsregister-Eintrag. Am Ende konnte das Haus identifiziert werden, die Adresse war bekannt. Auch hier: Fleiß, Recherche, Umgebungsabgleiche (Bäume, Pflanzen, Garagen) Google Earth und Grafikdesign.

[…]

Und Rosenheim? Social Engineering und IP-Grabbing. Attila klickt unbedarft auf jeden Link, den man ihm schickt. Der Link war natürlich entsprechend präpariert, so konnten wir die IP-Adresse, Smartphone Profildaten, Auflösung, Betriebssystem etc. auslesen. Mobile IPs sind zwar ungenau, aber es reicht für die Umgebung („Attila, bist Du in Bayern unterwegs?“). Und dass er in Rosenheim bei einem Tattoo-Studio war, um Geld und Brief abzuholen, dass hat er danach ebenfalls selbst gepostet.

Warum wir das gemacht haben? Das Debunking? Weil es von Anfang an so geplant war.

Attila prüft gar nichts. Er sagt: „Hinterfragt alles!“, doch genau das tut er selbst nicht. Alles, was er sieht, alles, was er liest, alles, was man ihm vorlegt, wird in sein Weltbild gepresst und zu seiner Wahrheit. Und sein Weltbild ist krude und verworren. Mit Realtität hat es nicht viel zu tun. Trotzdem ist es für ihn wahr.

[…]

Wir haben gesammelt, um unsere Aktion später selbst zu debunken. Es ist wichtig die Unglaubwürdigkeit & Leichtgläubigkeit von Attila Hildmann aufzuzeigen. Er verbreitet alles, was ihm in die Finger kommt und füttert damit über 65.000 Menschen, die ihm zum größten Teil Glauben schenken.

Mittlerweile hatten so viele Menschen Attila Hildmann auf dem Zettel, dass wir uns zurückziehen konnten. Zurückziehen, da der Monat zu Ende und das nächste Target bereits in Arbeit war. Attila war versorgt.

Dass trotz zahlreicher Meldungen und der Übermittlung von Screenshots durch Anonymous Aktivisten und die User auf Twitter, dass trotz zahlreicher Strafanzeigen die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft Cottbus die Ermittlungen gegen Hildmann so dermaßen verschleppen und verkacken würde, dass ihnen am Ende die Polizei Brandenburg zusammen mit der Generalstaatsanwaltschaft Berlin alles aus der Hand nehmen und von vorne anfangen würde, das ahnten wir damals noch nicht.

Wir zogen zu neuen Targets.

Und Ihr denkt jetzt: „Hey, Ihr habt das Wichtigste vergessen!“

Nein, sicher nicht. Hier zum Mitsingen:

Schön war die Zeit, aber es gab mehr zu tun.

Von Anfang an interessierten uns die lauten Schwurbler nur kurz. Die im Hintergrund, diejenigen die das ganze befeuerten mit ausgedachten Stories und gefakten Informationen, die waren mindestens genauso gefährlich – und wurden weniger wahrgenommen.

Einer dieser Akteure war die schweizer Sekte OCG, mit ihrem Portal KlaTV/KlagemauerTV, der Anti-Zensur-Konferenz und SasekTV, vor allem aber mit einer hohen Zahl an Gerechten – Menschen, die für die Sekte arbeiten, aber nicht zwingend Mitglied sind – einer der gefährlichsten, weil hinterfotzigsten Akteure.

Juli, August, September

Im Hochsommer und Herbst liefen so viele Aktionen parallel, dass wir sie nicht mehr in einzelne Monate aufteilen können. Unter anderem lief die Beobachtung der Querdenker auf Hochtouren. Aktivisten untersuchten die Zusammenhänge und stellten sie zusammen, denn ursprünglich mal geplant war „Die große Flut“.

Es ist nicht alles umgesetzt worden, was für die große Flut geplant war. Aber die Demos von Querdenken Anfang und Ende August haben wir natürlich beobachtet. Und es gab ja auch hier Querverbindungen zur OCG. Ja, die OCG und Querdenken beherrschten das Quartal.

Querdenken

Querdenken ist ein bisschen, als hätte jemand eine durchgeschüttelte Dose „DooF“ aufgemacht. Überall spritzt was hin, alles ist bekleckert und klebt wie Sau. Man ärgert sich kurz – und wischt es dann einfach ab.

Tage später wischt man mit der Hand irgendwo drüber und es klebt schon wieder.

Stefan Bauer, Miriam „Hope“ Hudson, Michael Ballweg, Samuel Eckert, Markus Haintz, Ralf Ludwig, solidFACTS, Querdenken4711, Querdenken0815, Dirk Scheller, Superman, Reza Begi, Frauenbus, Friedensbus, Corona-Info-Tour-Bus-Dingsi, der Greulich und natürlich wieder Bodo Schiffmann, Wir2020, Widerstand2020, {BELIEBIGEBEZEICHNUNG} für Aufklärung, WWG1WGANWOMWGFD – das Jahr dreht sich im Kreis. Aber hey, das Positive: Wir müssen nicht alles allein machen.

Es gibt viele, die Querdenken beobachten, die in den Telegram-Gruppen lurken, die Screenshots anfertigen, Twitter-Threads erstellen. All diesen Menschen gilt jetzt auch mal unser Dank. Michael Mayr, Lizy in der Blase, Querdenkenwatch, Schwurbelwatch, UnionWatch, Schwarze Palmen, Dr. Blume und viele andere, deren Namen ich mir nicht merken kann: Leute, auch wenn ihr Euch nicht zu Anonymous zählt, Ihr seid Anons. Ehrenanons. Denn ohne Euch wäre die Beobachtung der Schwurbler, der Coronaleugner, der Solidaritätsverweigerer schwieriger. Bei Querdenken verlassen wir uns auf Euch. Denn Ihr macht es uns leichter, den Querdenkern zu folgen.

Danke!

(dAs WiRd MaN jA wOhL nOcH sAgEn DüRfEn1!!eins11)

anonleaks.net gestartet

Wir werden an dieser Stelle nicht alles wiederholen und aufführen, was wir zur OCG veröffentlichten (und im Hintergrund höre ich „Gott sei Dank“ durch die heiligen Hallen des Hive-Mind-Network schallen). Nee, echt nicht. Das findet ihr alles in diesem Blog, hier direkt bei anonleaks.net.

Denn während wir früher alles in Pastebins, Twitter und YouTube veröffentlichten, entschieden wir im Juli, anonleaks.net zu starten. Pastebins gemahnten zwar an die gute alte Zeit, aber die Vielzahl an Kanälen, die von den Verschwörungsideologen genutzt werden, die vielen Screenshots und Medien, die wir produzierten, brachten uns dazu, erst PDF, dann Rentrys und schließlich diesen Blog zu bauen. Die ersten OCG-Sachen veröffentlichten wir noch über Rentry.org, dann Rentry und Blog parallel… doch es geht alles derzeit so schnell, dass Twitter und anonleaks.net jetzt hauptsächlich der Veröffentlichung dienen. Das war gerade bei der OCG von Vorteil.

Darüber hinaus sollte Operation Tinfoil nachhaltig aufklären. Das geht nur über ein konstantes Medium.

KlagemauerTV / KlaTV / OCG

Sekten sind ein Marathon, kein Sprint. Das zeigte schon Scientology, das war bei OCG nicht anders. Die Vorbereitung zur SubOp OCG begannen im Juni und wurden im Juli weitergeführt.

Die OCG beschäftigte uns von Juli bis in den Oktober hinein – und wird uns auch im kommenden Jahr immer wieder und immer weiter beschäftigen. Wir beschränken uns hier mal auf ein paar Highlights – denn die ganzen Doks könnt Ihr alle hier im Blog nachlesen. Chronologisch.

OCG war das wahrscheinlich anstrengendste Target in diesem Jahr. Wir hatten viele Videos zu sichten, mussten die Strukturen der Sekte verstehen, die Hintergründe. Denn irgendwas musste passiert sein, dass eine einzelne Familie, die Saseks, ein internetbasiertes Medienimperium namens KlaTV aufbauten, und zwar nicht als christlichen Sender, sondern schon vor Jahren als Schwurbel-Medium. Als Fake News Schleuder. Als Desinformations- und Propaganda-Maschine.

Und es war was passiert: Ivo Sasek und seine Blähungen.

Ivo möchte die Revolution der Querdenker, um dann seine Vorstellung von Christentum, den „reinen“ Christus-Organismus durchzusetzen. Dafür ist ihm jedes Mittel recht und deswegen ist er einer der gefährlichen Akteure. Deswegen fühlt er sich auch zu unrecht verfolgt.

Wenn Ballweg ein Königreich schafft ist, möchte er wenigstens Papst werden. (Hey, dieser Typ übersetzt die Bibel neu – bzw. schreibt sie nach seiner Vorstellung um!)

Die Sekte OCG nur anhand ihrer Veröffentlichungen zu beurteilen, das ist schlichtweg unmöglich. Die OCGer halten sich eher im Hintergrund, nutzen externe Strukturen, ihre Netzwerke von Gerechten zur Verteilung ihrer Inhalte und Rekrutierung neuer Mitglieder.

Wir haben also versucht, in deren Systeme einzudringen. Nicht aktualisierte Serversoftware, strunzdoofe Passworte und ein bisschen Unterstützung von einigen netten Herren aus dem Innern der OCG halfen uns. Auch zahlreiche ehemalige Mitglieder gaben uns interessante Hinweise zu Struktur und Aufbau, Organisation und Infrastruktur der Sekte.

Wir haben also versucht, in deren Systeme einzudringen. Nicht aktualisierte Serversoftware, strunzdoofe Passworte und ein bisschen Unterstützung von einigen netten Herren aus dem Innern der OCG halfen uns. Auch zahlreiche ehemalige Mitglieder gaben uns interessante Hinweise zu Struktur und Aufbau, Organisation und Infrastruktur der Sekte.

Letztlich gelangten wir so an viele GB an Dokumenten und noch viel mehr E-Mails aus verschiedensten Accounts. Das alles auszuwerten, das geistige Ejakulat eines Ivo zu verstehen – oh boy, das nervte.

Im Juli, August und September trieben wir reichlich Schabernack. Den Instagram-Account, den wir ihnen abluchsten, indem wir die Passwort-Reset-Mail abfingen, den haben die mittlerweile aufgegeben. Der neue Account, den sie anlegten, kommt nicht auf die Beine, der alte ist immer noch unser.

Wir veröffentlichten interne Mails, hinterfragten die Finanzierung, legten dar, wie beschissen die Sekte Kinder behandelt (sie schlagen sie mit Ruten auf den nackten Hintern) und wie sie sie brechen. Wir zeigten auf, das „Bemessung“ eine Form der Gehirnwäsche ist, wo sie sich überall in Deutschland herumtreiben.

Wir meldeten KlaTV-Videos auf YouTube bis sie ihren Kanal selbst sperrten. Wir schickten Mails an ihre Mitglieder, um darauf hinzuweisen, dass die Daten bei der Sekte nicht sicher waren.

Wir zeigten in Teilen Verknüpfungen zu AfD und neu-rechten Gruppierungen auf, belegten, dass Mitglieder sektentypisch für kostenlose Arbeit wie die Renovierung der Sasek Wohnungen missbraucht wurden, veröffentlichten Videos, die zeigen, wie Ivo seinen Christus Organismus indoktriniert, veröffentlichten ein Video von Ivo Sasek auf PornHub.

Das … leider ist es gelöscht. PornHub hat viel gelöscht. Warum Ivo? Nobody knows.

OCG fiel nicht viel zu unseren Aktionen ein. Klar, Ivo machte ein Video, leider ein langweiliges, in dem er uns zur Umkehr in Sachen „Vergebung“ bewegen wollte. Aber … nee, echt nicht. Auch die süße Anna-Sophia widmete uns ein Video. Aber darin ging es nicht um sie und uns, sondern auch nur um ihren Vater.

Ob PornHub sie auch gelöscht hätte?

„Mir geht es wie dem Jesus, mir tut das Kreuz so weh!“

— Ivo Sasek (frei nach Wolfgang Ambros)

Kein Wunder, Ivo Sasek steht seit „43 Jahren vor Gott“, wie er immer sagt. Kriegt man schonmal Rückenschmerzen. Dauerndes Stehen ist auch nicht gut für die Füße und sorgt für Verspannungen in den Schultern. Aber Ivo ist die zentrale Figur der OCG und hinter KlaTV, der Anti-Zensur-Konferenz, hinter vielen von Schwurblern auch in Deutschland geteilten Fake News.

OCG war anstrengend, vor allem wegen der vielen hunderttausendmillionen Dokumente und Mails, aber auch wegen der Thematik allgemein. Sekten sind nicht lustig. Christliche Sekten mit Schwurbeldrall erst recht nicht. Bei Sekten fällt es einem sogar schwer, die üblichen Memes zu basteln. Die OCG war zäh wie Leder und lag im Magen wie vier Gummibärchentorten mit Schlag. Dass wir von der Sekte gleich zum nächsten Prediger übergingen … wir müssen wirklich mal an der Abstimmungssoftware arbeiten. xD

OCG ist noch nicht beendet. Im neuen Jahr wird es um Falschinformationen zur Impfung gehen und um deren Verbreiter. Da ist die OCG auch wieder dabei. Wir sind erstmal zufrieden, dass die Reichweite von KlaTV gekappt wurde. Instagram weg, YouTube – vorerst – weg … und dass OCG und Ivo jetzt bekannter sind als vorher.

Wie dicht die OCG an den derzeitigen Themen wie Querdenken dran ist, das zeigt das Beispiel „Aktivist Mann“. Dieser YouTuber war vielen schon aufgefallen, als Attila noch am Alten Museum demonstrierte. Er fiel um so mehr auf, als der den Sturm der Reichstagstreppe am 29.08. in Berlin anführte dokumentierte.

Doch ohne all die Arbeit mit der OCG, all den Bildern, Videos, er wäre weiter unerkannt geblieben. Doch dann rief jemand im Hive: „Halt, den kenn ich!“

Tja. Wer jemals erlebt hat, wie effektiv und gut geölt die Anonymous-Recherche-Maschine läuft … ein Raum auf dem Server, zweistellige Anzahl Leute, ein Haufen Infos, die von einigen gepostet und von anderen gleich geprüft, von Dritten gegengeprüft werden, und einige Sammler, die versuchen, die Infos aufzusaugen wie ein Schwamm und so zu sortieren, dass die Texter diese im richtigen Zusammenhang bekommen, während zeitgleich Grafiken anonymisiert und Gesichter verfremdet werden. …

An dieser Stelle mal ein dickes Danke an Euch alle!

Okay, sentimental. Geht schon wieder.

Jedenfalls diese gut geölte Maschine rotierte und innerhalb kürzester Zeit war Matthäus Westfal aka Aktivist Mann als Mitglied der Sekte OCG enttarnt. Wir wussten, wo er herkam, wo er arbeitete, was er gelernt hatte.

Es war der Sonntag nach der großen Demo in Berlin. Und für Aktivist Mann brauchten wir gerade einmal vier Stunden. Exposed.

Ist auch komplett hier nachzulesen.

So kann es gehen. Man sammelt Daten und Informationen, von denen man noch gar nicht weiß, wann man sie mal brauchen wird. Hauptsache ist, niemand vergisst sie. Wir jedenfalls nicht.

Und in solchen Momenten macht dann auch die OCG Spaß.

Oktober und November

Samuel Eckert

Gut, genau genommen begann Eckert schon Ende September. Aber am Ende dieses Jahres darf man nicht so streng sein. Diese geölte Maschine, sie lief auch im Fall von Samuel Eckert. Oder vielmehr bei einem der Autoren seiner Corona Fakten, Jorge Berg, der auch die damalige Telegram-Gruppe gleichen Namens betreute.

Es ist Fleißarbeit, ein bisschen Glück, und jede Menge Kenntnisse über soziale Netzwerke. Jorge Berg war eigentlich nicht schwierig. Aber, so erzählt man es sich: es fehlte der letzte Beweis, als die Truppe mitten in der Nacht erstmal Schluss machte. Aber manchen lässt die Sache keine Ruhe, bis sie geknackt ist. Und in dem Fall war es der Vergleich einer Uhr auf einem Foto mit der Uhr in einem Video.

Jorge Berg, Software Berater aus Hamburg, exposed als arroganter nicht-wissenschaftlicher Autor bei Corona Fakten.

Und damit waren wir bei Eckert angelangt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er diese unsägliche Youngsters noch nicht gegründet. Das kam später. Aber hier bei Eckert, bei Corona Fakten, da zeigte sich das ganze Ausmaß dessen, was eingangs beschrieben wurde:

es war das Zeitalter der Weisheit, es war das Zeitalter der Dummheit,

es war die Epoche des Glaubens, es war die Epoche des Unglaubens,

Eckert war uns schon früh aufgefallen. Er tauchte irgendwann wie aus dem Nichts auf und wurde von Querdenken unglaublich promotet. Er avancierte schnell zu Querdenkens und Markus Haintz‘ Hofberichterstatter, der Haupt-Streamer auf den Demos in Berlin.

Es waren schon einige Daten zu Eckert gesammelt. Doch als er zum Target wurde, brauchte es sehr viel mehr. Also nahmen Anonymous Aktivisten Eckerts Firmen auseinander. Jede seiner Firmen wurde analysiert, Querverbindungen gesucht. Beachtlich, was dabei herauskam, vor allem, wenn man bedenkt, dass Eckert in so vielen Unternehmen Geschäftsführer sein soll, aber mit dem Bus durch Deutschland tourneen kann: Corona-Info-Tour, ausgerechnet mit Bodo.

Wir beobachteten die Tour und es gab immer wieder interessante Hinweise, die uns tiefer in die verquere Welt des Samuel führte. Wir sprachen mit Dr. Michael Blume über Samuels Antisemitismus, wir versuchten, seine Anwandlungen über Universalbiologie nachzuvollziehen, wir versuchten nachzuvollziehen, warum er nicht an Viren glaubte (Spoiler: es hat keinen wissenschaftlichen Grund).

Wir fanden eine dumme Lücke in Samuels CRM, die auszunutzen Spaß machte. Datenbank-Dump gezogen, Daten gesichert, CRM neu installiert, damit nicht andere an die im Prinzip offen zugänglichen Daten gelangten. So gelangten wir an eine Vielzahl von E-Mails und an ein paar Dokumente.

Die E-Mails waren interessant. Einige veröffentlichten wir. Aber wir haben noch einige offengelassen. Wer möchte? Der Zugang zu den E-Mails kann hier angefordert werden. Neben den veröffentlichten E-Mails wissen wir nämlich noch von dem Kinderarzt Dr. K. aus den Hamburger Walddörfern, der dieses von Eckert signierte Buch haben wollte und sich auf „das neue System“ freut, von einer Bedachungsfirma, deren Inhaber erst an das Virus glaubt, wenn er es sehen kann, einer Firma, die irgendwas mit Hebefahrzeugen macht, Mails von Krankenschwestern, Betriebsärztinnen, Schnorrern, Spendern, Dichtern und Komponisten.

Alles seltsame Mails von Menschen, die an Eckert glauben. Und an Schiffmann. Aber eben nicht an ein Virus, dass im Moment die Welt in Atem hält.

Die gesamte Vielfalt von Eckert-Artikeln könnt ihr hier im Blog abrufen.

Eckert ist genauso wenig witzig wie die OCG. Seine seltsamen Videos und Predigten zu sehen, lässt einen mehr als kopfschüttelnd zurück. Manche von uns fragen sich, was man geraucht haben muss, um so einem Verführer und Demagogen zu folgen. Aber es beweist, dass Querdenker weniger selbst denken; sie suchen jemanden, der für sie denkt und ihnen sagt, was sie hören möchten.

Und wenn Eckert das Weihnachtsmärchen dahingehend abändert, dass Gott ein Heuchler und Lügner wäre, wenn Viren existierten, dann glauben die Leute ihm das?

In einer Hinsicht ist Samuel Eckert transparenter als die anderen Akteure: bei seinen E-Mails. In der ganzen Zeit seit wir Zugriff erlangten, hat er trotz einiger Hinweise und Anzeichen bis heute nicht verhindert, dass wir mitlesen. Vielleicht hat er gedacht, dolles Beten würde reichen.

Dezember

Es war ein anstrengendes, ein arbeitsreiches Jahr, deswegen haben die meisten den Dezember etwas ruhiger angehen lassen. Bisschen Querdenken, bisschen Schiffmann (hat der sich jetzt eigentlich ein Auto gekauft?), bisschen Homburg, bisschen Aufräumen, bisschen Vorbereitung, bisschen Aufbereitung, bisschen Nachbereitung, die vielen, vielen neuen Follower anschauen, die das Jahr auf Twitter brachte (satt verdoppelt, danke Schwurbler xD).

Der Dezember ist ja der Monat der Einkehr, der besinnlichen Stunden. Auch in einem Jahr wie diesem. Und so haben viele von uns es auch gehalten.

Und jetzt?

Das Neue Jahr wartet

Lassen wir es nicht zu lange warten.

Wir haben versucht, Euch ein wenig mit auf unsere Reise zu nehmen. Wir haben viel erzählt und noch viel mehr weggelassen. Beispielsweise die Tatsache, dass bei uns viele rechte und neu-rechte Gruppen unter besonderer Beobachtung stehen. Auch was wir in der Pipeline haben, weil es noch nicht so spruchreif ist.

In der Rückschau und beim Schreiben des Artikels war das Jahr gar nicht sooo schlimm.

Ein Jahr der Gegensätze wie Dickens es beschrieb, ja, die beste aller Zeiten, die schlimmste aller Zeiten, Weisheit, Dummheit, Glaube, Unglaube, Licht, Dunkelheit, Hoffnung, Verzweiflung, das Jahr hatte alles.

Aber nehmt das mit ins nächste Jahr: Dickens ließ sein „A Tale of Two Cities“ zur Zeit der Französischen Revolution spielen. Viele, von denen dieser Rückblick handelt, denken, eine solche Revolution sei notwendig, weil wir ja in Zeiten „schlimmer als DDR“ und „weiter als im 3. Reich“ leben, in einer Diktatur. Das habe dieses Jahr deutlich gezeigt.

Unfug.

Dieses Jahr hat gezeigt, wie stark Demokratie sein kann. Denn Demokratie ist das, was die Mehrheit daraus macht, nicht das, was eine Minderheit denkt, wie sie zu sein hat. Demokratie ist wandlungsfähig, aber Mehrheiten gewinnt man nicht, indem man nervt. Demokratie ist, wenn die Mehrheit alle Minderheiten integriert und nicht nur die lauteste. Demokratie ist aber auch, wenn die Minderheit akzeptiert, was die Mehrheit beschließt.

Dieses Jahr hat gezeigt, wie stark eine Gesellschaft sein kann, die sich durch eine Minderheit nicht auseinanderdividieren lässt. Dieses Jahr hat gezeigt, dass Krisen das Beste und das Schlechteste aus den Menschen hervorholen, dass aber das Beste siegt.

Wir werden auch im nächsten Jahr da sein. Ihr auch? Wir werden weitermachen. Weitergehen. Mehr sein.

In diesem Sinne:

Wir sind Anonymous.
Wir sind Legion.
Wir vergeben nicht.
Wir vergessen nicht.
Erwartet uns
im Jahr 2021!

Guten Rutsch!

4 Antworten auf „2020 – Das Jahr der Masken: ein Rückblick“

Danke für euren Einsatz, eure Seite ist mir die liebste und Beste, gute Recherchen, gesicherte Fakten und gut verarbeitet und moderiert. Jeden Morgen zum Kaffee vor der Arbeit checken was es Neues von euch gibt!
Freue mich auf 2021 mit eurer Berichterstattung. Kein Haarbreit den Schwurblern, rechten Hetzern und Sekten dieser Welt!
Ich wünsche allen ein gesundes, erfolgreiches und glückliches Jahr 2021
Guten Rutsch 🙏🙏🙏

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