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#wirmachenauf: hier verschoben, hohe Strafen in anderen Ländern … und wir hatten „Spaß mit WordPress“

Kosmetiker Uzbay hatte zur Öffnung von Betrieben am 11.01. trotz Verbot aufgerufen – und es dann um eine Woche verschoben. In der Schweiz und in Österreich haben es hingegen einige durchgezogen, mit teilweise bösen Folgen.

Hand hoch: wer ist gestern in der Hoffnung zu seinem Lieblingscafé getapert, es würde trotz Verbot seine Pforten öffnen? Niemand?

In Deutschland wäre das aber auch nichts geworden. #wirmachenauf war um eine Woche verschoben worden, auf den 18.01.

Mecit Uzbay, Initiator der Aktion und Inhaber eines Kosmetiksalons in Krefeld, Nordrhein-Westfalen, gab als Grund dafür unter anderem ein Ultimatum an die Bundesregierung an. Boris Reitschuster gab er ein Interview.

[…] um Kritikern seiner Aktion den Wind aus den Segeln zu nehmen, entschloss sich Uzbay, der Politik eine letzte Frist von einer Woche zu setzen und die Eröffnung um eine Woche aufzuschieben – sollten die Forderungen von „Wir machen auf“ unbeantwortet bleiben.

https://reitschuster.de/post/wir-machen-auf-aufstand-gegen-lockdown-vertagt/

Auf seiner eigenen Website veröffentlichte Uzbay dazu folgendes:

Am Samstag trat ich mit, „Ich Mache Auf“ raus und zwei Stunden später wurde ein unaufhaltsames „Wir Machen Auf“. [sic!] Das aller wichtigste ist für mich, dass niemand zu Schaden kommt. Auf Grund der geführten Gespräche, insbesondere Rechtslage, muss ich eine offizielle Frist anlegen gegenüber der Regierung (Folgt gleich).

https://coronapedia.de/forums/discussion/news-fristsetzung-und-oeffnung/

Er hat wohl von einem Anwalt den Hinweis bekommen, er müsse eine Frist setzen. Warum das erforderlich ist, führt er nicht wirklich aus. Aber er folgte dem Tipp. Auf seinem Telegram-Kanal veröffentlichte er denn auch das Schreiben.

(Hey, Querdenken: Bitte immer mit Einschreiben/Rückschein schicken und den Rückschein veröffentlichen. So einen Zettel kann jeder posten.)

Das mit der Frist war aber wohl nicht der einzige Grund. Man sorgt sich um den „guten“ Ruf der Aktion.

Zudem wolle er verhindern, dass seine Aktion durch die „Mainstream-Presse“ als unsolidarisch verunglimpft wird. Schließlich sei es möglich, dass durch Silvester die Zahl der positiv an Corona Getesteten noch steige. Daher sei es besser, die 14 Tage abzuwarten, um keine vermeidbare Kritik hervorzurufen. 

Angeblich sollen sich ja 10.000 Betriebe bei Uzbay gemeldet haben. Wie viele davon sich entschlossen hatten, tatsächlich zu öffnen, verriet er nicht. Aber „von Sportläden über Hotels bis zu Hundesalons“ soll alles dabei sein. 

Die Auswirkungen dessen, was einem Betrieb passieren kann, wenn er trotz Verbot öffnet, die konnte man bereits aus dem österreichischen Linz erfahren. Eine Kaffeehaus-Betreiberin öffnete im Beisein der Medien.

Eine Linzer Café-Betreiberin hat am Montag ihr Lokal trotz Lockdowns aufgesperrt – allerdings nur kurz. Wenig später waren Polizei und Magistrat vor Ort. Bilanz: 37 Personen kassierten insgesamt 97 Anzeigen, ihnen drohen Strafen bis zu 1.450 Euro pro Person. Die Wirtin wird ebenfalls angezeigt, bei ihr beträgt der Strafrahmen bis zu 30.000 Euro.

https://www.derstandard.at/story/2000123215495/anzeigen-fuer-45-gaeste-und-linzer-wirtin-die-trotz-lockdowns

Außerdem hat die Stadt Linz ein Betretungsverbot über das Badcafé verhängt, wegen Wiederholungsgefahr.

Die Öffnung des Lokals hatte einen großen Medienrummel ausgelöst. Auch Alexander Ehrlich von „Honk for Hope“, der die Bustouren zu den Corona-Demos organisiert, hatte im Vorfeld massiv Werbung für die Aktion gemacht und war vor Ort.

In der Schweiz fand die Aktion ebenfalls Mitstreiter. Eine Wirtin im schweizerischen Kanton Bern öffnete ihren Landgasthof. Die Polizei schloss das Lokal jedoch direkt am Mittag wieder und warf die Gäste hinaus. Auch ihr wurde mit dem Entzug der Konzession gedroht.

Beiden Damen stand nach eigener Aussage das Wasser bis zum Hals, deswegen glaubten sie durch diese Art von Protest ein Zeichen setzen zu können. Es ist verständlich, dass ums Überleben kämpfende Betriebe nach Lösungen suchen. Aber wie soll es eine Lösung sein, sich über Verordnungen hinwegzusetzen und hohe Strafen zu kassieren? Demo, okay, aber sich wissentlich in den Ruin zu demonstrieren ….

Die Strafen können empfindlich sein. Nicht nur in Österreich und der Schweiz. Berlin veröffentlichte eigens einen Bußgeldkatalog im Internet. Dort können sich also diejenigen vorab informieren, die am 18. öffnen möchten. Bei Einzelhandelsgeschäften liegt die Spanne für ein Bußgeld bei 250 bis 5000 Euro, bei Gastronomie liegt sie etwas höher, hier werden zwischen 5.000 und 10.000 Euro fällig. Das kann also eine sehr teure Aktion werden.

Den Initiatoren ist das egal. Jeder, der seinen Betrieb öffnet macht das auf eigene Verantwortung und eigene Kosten, denen passiert also nicht viel.

Unter denen, die aufstachelten und die Aktion mit bewarben, waren natürlich auch Haintz und Ludwig. Die beiden Anwälte haben schon so einige mindestens fragwürdige Ratschläge erteilt und finden ihre Mandanten über Klagepaten, was sie ebenfalls in fast demselben Atemzug bewerben. Schön, dass solche Anwälte Geld nicht verdienen, sondern bekommen, egal, ob sie vor Gericht gewinnen oder verlieren.

Wurde natürlich auch von Samuel Eckert retweeted. Hängen eh alle zusammen.

Uzbay selbst hatte natürlich seinen Laden gestern nicht geöffnet. Er will das wohl am 18. machen. Wir werden sehen.

Bis dahin kann er sich mit seiner Website coronapedia.de beschäftigen und sie ein bisschen was abdichten. Schließlich – und das sagte er Reitschuster ebenfalls – sei diese ja gehacked und „für kurze Zeit“ lahmgelegt worden.

Nee, war kein Hack. Anonymous Aktivisten haben nur ein bisschen an der Vordertür herumgespielt.

Ja, lustig, so Schweinchen.

Kleine nächtliche Spielerei.

Bei dieser Website konnte sich jeder registrieren, der wollte. Und weil die Konfiguration es den frisch Registrierten erlaubte, konnte man beliebig Dateien in die Medienbibliothek von WordPress hochladen. Bis 200 MB große Dateien gingen problemlos durch.

¯\_(ツ)_/¯

Und ja, einige Aktivisten haben die Datenbank vom WordPress etwas gestresst. Nichts Dolles. Values ohne Längenbegrenzung in der Datenbank zu speichern, ist einfach keine gute Idee. Da hat die Datenbank halt zu tun und liefert keine Inhalte … Ergebnis: Seite geht nicht. Nicht auszudenken, wenn das jemand zu normalen „Betriebsstunden“ machte.

Durch einen Trick – der nicht verraten wird – konnte man sich zum Admin der Gruppen machen und deswegen wurden natürlich auch neue angelegt. Irgendwas mit Sexclub und was mit Pumpen für Querdenker.

Das Bild von dem Sexclub veröffentlichen wir aus Gründen des Jugendschutzes hier nicht.

Lautes Klopfen an der Vordertür ist kein Hack. Aber bist Du sicher, dass die Hintertür zu ist, Herr Uzbay?


Update 13.01.2021, 15:30 Uhr:

  • Tweet von Klagepaten eingebunden

2 Antworten auf „#wirmachenauf: hier verschoben, hohe Strafen in anderen Ländern … und wir hatten „Spaß mit WordPress““